Systematik

Ordnung Pilosa
Familie Megalonychidae
Unterfamilie
Gattung Choloepus
Art Choloepus didactylus

Die heute lebenden Faultiere sind die Reste einer einst artenreichen Tiergruppe, deren grösste bodenlebende Art fast Elefantengrösse erreichte.

Beschreibung

Das Zweifinger-Faultier ist 60 bis 85 cm lang und hat einen winzigen 3.5 cm langen Schwanz. Es wiegt 5 bis 9 kg. Der Hals ist kurz, es hat ein flaches Gesicht mit einer vorspringenden nackten Schnauze. Die Ohren sind nicht sichtbar. Es hat zwei Krallen an den Vorderbeinen und drei an den Hinterbeinen. Sein Deckhaar ist hart und graubraun bis beige gefärbt, auf dem Rücken ist es dunkler. Es wird häufig von Algen bewohnt, die für eine vortreffliche grüne Tarnfarbe sorgen. Auch Käfer und Schmetterlinge leben im Fell der Faultiere, es gibt sogar eine Motten-Art, die nur hier vorkommt. Der Körper ist rundum an das hangelnde Leben angepasst. So befindet sich der Haarscheitel mitten auf dem Bauch, damit das Regenwasser gut ablaufen kann und die inneren Organe stehen sozusagen Kopf (z.B. die verhältnismässig schwere Leber ist so gedreht, dass sie näher beim Rücken ist). Die Körperwärmeregulierung der Faultiere ist unvollkommen. Die Körpertemperatur schwankt je nach Aussentemperatur zwischen 24 und 33°C und sinkt besonders während und nach kalten Regengüssen ab.

Biologie

Faultiere sind träge, dämmerungs- und nachtaktive Säuger, die mit dem Rücken nach unten in den Baumkronen leben. Das Zweifinger-Faultier hangelt sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 0.5 km/h durch die Äste. Trotz ihrer Langsamkeit sind Faultiere sehr beweglich, wenn sie sich im Baum fortbewegen. Am Boden sind sie hingegen äusserst hilflos, dafür sind sie sehr gute Schwimmer. Sie haben einen guten Geschmackssinn, sonst sind die Sinnesorgane aber wenig leistungsfähig. Das Eigentliche Zweifinger-Faultier ernährt sich von Blättern, jungen Trieben, Knospen, Blüten und Früchten. Flüssigkeit wird nur mit Tau- oder Regentropfen aufgenommen. Die Verdauung ist sehr langsam und die Nahrung kann bis zu einem Monat im Verdauungstrakt bleiben. Nach einer Tragzeit von 6 Monaten bleibt das Junge 9 Monate auf dem Bauch der Mutter. Anfangs übernimmt es die Nahrung vom Mund der Mutter. Auf diese Art bildet das Faultierjunge eine Vorliebe für ganz bestimmte Pflanzen aus, was den Vorteil hat, dass sich die Tiere mit ihren Ernährungsgewohnheiten nicht konkurrenzieren und ihren Lebensraum darum dicht besiedeln können. In der Natur können Eigentliche Zweifingerfaultiere ungefähr 20 Jahre leben. In Gefangenschaft erreichen sie sogar 40 Jahre.

Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet des Eigentlichen Zweifinger-Faultiers umfasst das nördliche Südamerika, sie sind von Kolumbien und Peru bis in das nördliche Brasilien verbreitet. Am häufigsten ist die Art im tropischen Regenwald des Amazonasbeckens anzutreffen. Choloepus didactylus hält sich fast sein ganzes Leben lang in den Baumkronen des Regenwaldes auf. Es kommt fast überall im bewaldeten Teil Mittel- und Südamerikas vor.

Bedrohung

Das Zweifinger-Faultier wird wegen seinem Fleisch gejagt und ist durch die Zerstörung seines Lebensraumes bedroht. Aufgrund seines grossen Verbreitungsgebietes gilt das Eigentliche Zweifinger-Faultier jedoch als nicht bedroht. Seine natürlichen Feinde sind Jaguare und andere Raubkatzen.