Systematik

Ordnung Pilosa
Familie Megalonychidae
Unterfamilie
Gattung Choloepus
Art Choloepus didactylus

Die heute lebenden Faultiere sind die Reste einer einst artenreichen Tiergruppe, deren grösste bodenlebende Art fast Elefantengrösse erreichte.

Beschreibung

Das Zweifinger-Faultier ist 60 bis 85 cm lang und hat einen winzigen 3.5 cm langen Schwanz. Es wiegt 5 bis 9 kg. Der Hals ist kurz, es hat ein flaches Gesicht mit einer vorspringenden nackten Schnauze. Die Ohren sind nicht sichtbar. Es hat zwei Krallen an den Vorderbeinen und drei an den Hinterbeinen. Sein Deckhaar ist hart und graubraun bis beige gefärbt, auf dem Rücken ist es dunkler. Es wird häufig von Algen bewohnt und ist daher hervorragend getarnt. Auch Käfer und Schmetterlinge leben im Fell der Faultiere, es gibt sogar eine Nachtfalter-Art, die nur hier vorkommt.

Der Körper ist rundum an das hangelnde Leben angepasst. So befindet sich der Haarscheitel mitten auf dem Bauch, damit das Regenwasser gut ablaufen kann und die inneren Organe stehen sozusagen Kopf (z.B. die verhältnismässig schwere Leber ist so gedreht, dass sie näher beim Rücken ist).

Die Körperwärmeregulierung der Faultiere ist unvollkommen. Die Körpertemperatur schwankt je nach Aussentemperatur zwischen 24 und 33°C und sinkt besonders während und nach kalten Regengüssen ab. Diese Art verfügt über einen guten Geschmackssinn. Die anderen Sinnesorgane sind dagegen nur schwach entwickelt.

Biologie

Zweifingerfaultiere sind nachtaktive Tiere, die kopfüber hängend in den Baumkronen leben und 80% ihrer Zeit mit Schlafen verbringen. Sie sind eher Einzelgänger. Sie sind sehr langsame Tiere, die sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,5 km/h fortbewegen. Trotz ihrer Langsamkeit sind sie sehr beweglich, wenn sie sich in den Bäumen bewegen. Sie sind auch sehr gute Schwimmer. Am Boden sind sie jedoch wackelig und werden so zu einer leichten Beute für Raubtiere.

Das Eigentliche Zweifinger-Faultier ernährt sich von Blättern, jungen Trieben, Knospen, Blüten und Früchten. Flüssigkeit wird nur mit Tau- oder Regentropfen aufgenommen. Die Verdauung ist sehr langsam und die Nahrung kann bis zu einem Monat im Verdauungstrakt bleiben.

Nach einer Tragzeit von 6-11 Monaten bleibt das Junge 9 Monate auf dem Bauch der Mutter. Nach ein paar Wochen beginnt es Nahrung aus dem Mund der Mutter anzunehmen.  Auf diese Art bildet das Faultierjunge eine Vorliebe für ganz bestimmte Pflanzen aus, was den Vorteil hat, dass sich die Tiere mit ihren Ernährungsgewohnheiten nicht konkurrenzieren und ihren Lebensraum darum dicht besiedeln können.

Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet des Zweifingerfaultiers befindet sich in Zentral- und im nördlichen Südamerika. Es erstreckt sich von Kolumbien über Peru bis in den Norden Brasiliens. Am häufigsten ist die Art jedoch im Regenwald des Amazonasbeckens.

Das Zweifingerfaultier ist in allen Waldtypen anzutreffen. Es verbringt fast sein ganzes Leben in den Baumkronen, wo es an den Ästen hängt und den Kopf verkehrt herum hält.

Bedrohung

Das Zweifingerfaultier wird wegen seines Fleisches gejagt und ist durch die Zerstörung seines Lebensraums gefährdet. Aufgrund seines großen Verbreitungsgebiets gilt es jedoch nicht als bedrohte Art und wird in der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) lediglich in die Kategorie „Least Concern“ (LC) eingestuft. Seine natürlichen Feinde sind Jaguare und andere Raubkatzen.